| Referent: | Prof. Dr.-Ing. Kai Borgeest , Hochschule Aschaffenburg |
| Vortragsreihe: | Forschung&Lehre |
| Zeit: | 07. Dezember 3: 11:45-12:25 |
Software-Engineering kann nicht nach Lehrbuch gepaukt werden, sondern erfordert das Lernen durch eigene Erfahrung in kleinen Projekten. Die realitätsnahe Gestaltung eines solchen Projekts im Rahmen einer zeitlich begrenzten Lehrveranstaltung führt auf zwei Fragenkomplexe. Der erste Fragenkomplex ist, wie sich Realitätsnähe überhaupt erzeugen lässt. Beispiele: Zunächst unklare Anforderungen, stillschweigend erwartete Anforderungen, Auftraggeber ignoriert Vorgehensmodell, Zeitdruck, inhomogene Projektteams, Arbeit in „historisch gewachsenem“ Code, zu Kompatibilitätsproblemen neigende Plattform. Schwieriger ist der zweite Fragenkomplex, da sich die Realität vor allem durch Abweichungen von einem Idealzustand auszeichnet, die nicht immer die Projektteilnehmer begeistern. Es ist also ein Zielkonflikt zwischen Realität und Motivation zu lösen. Im Vordergrund der Betrachtung stehen die didaktischen Ziele (deren sinnvolle Definition somit auch Thema des Beitrags sein muss).
Der Autor führt bereits seit vielen Jahren regelmäßig ein Software-Engineering-Projekt mit Studenten der Mechatronik durch. Der Anteil an Studenten, die eine Abneigung gegenüber Software-Fächern empfinden, ist in solch einem Studiengang erwartungsgemäß höher als bei Studenten der Elektrotechnik oder gar der Informatik oder Softwaretechnik. Daher kommt neben der praktischen Durchführung der Realitätssimulation gerade auch der Motivationsfrage eine erhebliche Bedeutung zu. Da der Autor unabhängig von der studentischen Veranstaltungskritik besoldet wird, kann das Optimum im Spannungsfeld zwischen Didaktik und Motivation gefahrlos ausgelotet werden. Daher liegt inzwischen eine sehr reiche Erfahrung zu dem Thema vor, von der die Studenten langfristig profitieren und die mit diesem Vortrag weitergegeben werden soll. Die Realitätsnähe bewirkt zwar eine höhere Validität der Projektnote bezüglich der definierten didaktischen Ziele, impliziert aber auch prüfungsrechtliche Fragen.
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Nach Systementwicklung, Softwareentwicklung und Projektmanagement bei Bosch Diesel-Systeme Professur für Fahrzeugmechatronik an der Hochschule Aschaffenburg und Leitung des Zentrums für Kfz-Elektronik. Im Bereich der Softwaretechnik liegen die Interessen in Forschung und Lehre vor allem in der Absicherung der Zuverlässigkeit sicherheitskritischer verteilter Systeme, den Entwicklungsprozessen und der Software-/Hardware-Integration. |